Bereits nach dem Spiel in Blessem, nach dem der sportliche Abstieg feststand, haben wir ein Interview mit Gerrit Ueckert, Trainer der ersten Mannschaft des SV Frauenberg geführt...

Mit der Niederlage in Blessem steht der sportliche Abstieg der ersten Mannschaft in die Kreisliga B fest, sicher kein angenehmer Moment. Was sind die Gründe dafür das es am Ende nicht zum Klassenerhalt gereicht hat?
Natürlich ist ein Abstieg kein schöner Moment, aber diese Abstiegssorgen begleiten uns fast schon die ganze Saison. Als ich die Mannschaft 2 Tage vor dem Saisonstart übernommen habe war die, körperliche und mentale, Verfassung nicht gut. Wir hatten leider keine Zeit um uns einzuspielen, Dinge auszuprobieren oder die ideale Aufstellung zu finden, geschweige denn um alle Defizite vollständig aufzuholen. Wenn man dann mit einer Niederlagenserie startet und viele Negativerlebnisse verarbeiten muss tut das ein Übriges und trägt zur Verunsicherung bei. Insgesamt hat sich auch schon zu Beginn der Saison angedeutet das wir einfach zu viele Chancen für einen Torerfolg brauchen und daher einfach zu wenig punkten.
Die gesamte Hinrunde hatten wir mit den Nachwehen der mangelhaften Vorbereitung zu kämpfen und kamen insgesamt nur auf 9 Punkte.
Vor der Rückrunde haben wir dann eine konzentrierte, starke Wintervorbereitung bestritten, verloren aber noch vor dem ersten Spiel der Rückserie zwei Spieler durch langwierige Knieverletzungen. Das hat den nicht allzu großen Kader weiter belastet und war sicherlich auf Dauer nur schwer zu kompensieren. Trotzdem sind wir erfolgreich in die Rückrunde gestartet und konnten in den ersten 4 Spielen mit 10 Punkten schon mehr Zähler einfahren als in der gesamten Hinrunde. Allerdings ereilte uns in Kall dann der nächste schwerwiegende Ausfall als Mittelfeldmotor und Top-Torschütze Sven Schindler mit einer Fraktur am Fuß für den Rest der Saison ausfiel. Bereits vor der Saison war klar das ein Ausfall von Leistungsträgern nur schwerlich aufzufangen wäre und jetzt wurden die Konsequenzen immer schwerwiegender. Teilweise hatten wir bis zu 8 Ausfälle zu beklagen, was sich auch in unseren Leistungen auf dem Platz widerspiegelte. Nach dem erfolgreichen Rückrundenstart konnten wir einfach an die gezeigten Leistungen nicht mehr anknüpfen, ständig wechselnde Aufstellungen und der personelle Engpass forderten Ihren Tribut und so konnten wir uns nicht aus dem Tabellenkeller befreien. Obwohl wir in vielen Spielen nur knapp unterlegen waren fehlten am Ende einfach wichtige Punkte und die entscheidenden Spiele gegen die direkten Konkurrenten wurden leider verloren.
Schlußendlich sind wir dann auch verdient abgestiegen, in den wichtigen Momenten haben wir es einfach nicht geschafft den Abstiegskampf voll anzunehmen und das Blatt zu unseren Gunsten zu wenden.

Trotz der sportlich schwierigen Situation scheint das Umfeld in Frauenberg ruhig geblieben zu sein? Wie würden sie das Verhältnis zur Vereinsführung beschreiben?
Das Verhältnis zwischen Vereinsführung und beiden Mannschaften kann man nur als gut und harmonisch bezeichnen. In einem so kleinen Verein kennt natürlich auch jeder jeden und das trägt insgesamt zu einem kommunikativen und ausgeglichenen Klima bei. Mit dem sportlichen Leiter stehe ich in regem Kontakt und bei größeren Entscheidungen/Fragen nehme ich auch schon mal an einer Sitzung des Vorstands teil. Natürlich stehe ich der Vereinsführung bei Fragen Rede und Antwort, das gehört dazu. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, Alleingänge gibt es hier nicht, alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und entsprechend getragen. Schließlich wollen wir alle in erster Linie das Beste für den Verein. Kleinere Differenzen werden da schnell und rückstandslos ausgeräumt.
Übrigens, nicht nur zwischen Vorstand und Mannschaften herrscht ein gutes Verhältnis, auch zwischen erster und zweiter Mannschaft gibt es keinerlei Neid. Gegenseitige Unterstützung ist hier eine Selbstverständlichkeit sowohl in die eine wie auch in die andere Richtung.
Deshalb konnten wir in dieser schwierigen Saison trotz aller Widrigkeiten immer in Ruhe arbeiten.

Bleiben Sie, trotz des Abstiegs, auch im kommenden Jahr Trainer in Frauenberg?
Nachdem ich vor dieser Saison eher kurzfristig in die Trainerrolle „gestolpert“ bin habe ich mir die Frage ob ich das Amt auch weiterhin ausüben möchte schon frühzeitig in dieser Spielzeit gestellt. Als 3-facher Familienvater ist das eine Entscheidung die ich nicht alleine fällen kann bzw. will, ohne die Unterstützung meiner Familie wäre ein solches Engagement undenkbar. Aber nachdem sowohl meine Frau als auch Vorstand und Mannschaft sich dafür ausgesprochen haben ist mir die Entscheidung leicht gefallen. Ich sehe mich als Teil der Mannschaft und werde auch in der kommenden Saison Trainer des SV Frauenberg sein.

Wie steht es um die Kaderplanung für die nächste Saison?
Trotz des Abstiegs bricht die Mannschaft nicht auseinander, das gesamte Team tritt den Gang in die Kreisliga B mit an. Das ist sicher auch in der Kreisliga nicht selbstverständlich und spricht für die Jungs und die hier herrschende Gemeinschaft. Diese Bereitschaft das „Eingebrockte“ auch gemeinsam wieder auszulöffeln, das ist etwas das mich stolz macht auf die Mannschaft.

Gibt es schon feststehende Neuzugänge?
Wir sind mit einigen Kandidaten im Gespräch und teilweise auch schon soweit das Zugänge feststehen. Konkrete Namen möchte ich hier und jetzt noch nicht veröffentlichen aber wir sind weiterhin auf der Suche und hoffen noch mehr Spieler überzeugen zu können nach Frauenberg zu kommen um Teil unseres Teams zu werden. Insgesamt wäre ein breiterer Kader wünschenswert, auch um einen gesunden Konkurrenzkampf zu fördern.
Sowohl für die 1. als auch die 2. Mannschaft die von Andreas Strnad und Markus Müllenborn werden noch Verstärkungen gesucht. Wer sich also einem funktionierenden Verein und einem funktionierenden Mannschaftsgefüge anschließen möchte kann sich gerne melden.

Mit dem Bau der neuen Sporthalle passiert in Frauenberg ja auch einiges neben dem Platz, inwieweit hat das Einfluss auf die zukünftigen Planungen?
Da uns an unserem Rasenplatz Flutlichtmasten fehlen mussten wir bis dato im Winter immer auf den Kunstrasen am Erftstadion ausweichen. Dort trainieren immer mehrere Vereine gleichzeitig, das nimmt einem viele Möglichkeiten. Die neue Halle bietet die Gelegenheit auch im Winter in Frauenberg etwas zu machen, sei es einfach kicken oder aber Zirkeltraining (lacht). Das hilft enorm dabei ein abwechslungsreiches Training auch im Winter zu ermöglichen und die Jungs bei Laune zu halten.

Was macht den Verein SV Frauenberg Ihrer Meinung nach aus?
Ich lebe selbst erst seit gut 2 Jahren im Kreis Euskirchen und konnte den ein oder anderen kleinen Verein kennenlernen. Anders als vielleicht in größeren Gemeinden ist ein Dorfverein ein elementarer Bestandteil des Dorflebens, sicherlich nicht nur in Frauenberg aber hier ist es mir besonders aufgefallen. Dieses „Wir-Gefühl“ wird hier echt gelebt. Nicht nur auf dem Sportplatz, auch im Alltag spielt der Verein eine große Rolle. Neben der Ausrichtung diverser Veranstaltungen baut der SV Frauenberg zur Zeit z.B. auch eine eigene Sporthalle um neben dem Fußball auch andere Sportarten für Leute allen Alters anbieten zu können. Bei diesem Projekt wird das Gemeinschaftsgefühl besonders deutlich. Bei den anfallenden Arbeiten, die größtenteils in Eigenleistung erbracht werden, treffen sich regelmässig Vereins- aber auch andere Gemeindemitglieder um gemeinsam an der Halle zu arbeiten. So etwas habe ich noch nicht gesehen.

Was sind die Ziele für die kommende Saison in der Kreisliga B?
Eine konkret formulierte Zielvorgabe gibt es nicht, nach dieser Seuchensaison wollen wir uns erstmal wieder als Mannschaft finden. Natürlich wollen wir so erfolgreich wie möglich sein und so gut es geht oben mitspielen.